trockenverträglich = klimafreundlich
Gärten ohne Gießen
Schaut man sich in typischen Stadtgärten um, findet man als selbstverständliches Element des Grüns eine Rasenfläche. Ökologisch betrachtet ist Rasen besser als eine versiegelte Fläche: Er bindet Staub, trägt zur Kühlung bei und ermöglicht, dass Regenwasser versickert und zur Grundwasserneubildung beiträgt. Aber ein Rasen benötigt bei Trockenheit Wasser, wenn er grün bleiben soll. Als Orientierung können pro Gießvorgang 10–20 Liter Wasser je Quadratmeter erforderlich sein – abhängig von Boden, Witterung und Standort. Wer Gießwasser sparen will, muss umdenken.
Das Vorbild Natur: Pflanzungen, die mit wenig Wasser auskommen
Das Vorbild finden wir in der Natur. Viele Pflanzen der nordamerikanischen Prärie besitzen tief reichende Wurzelsysteme, mit denen sie auch Wasser aus tieferen Bodenschichten erschließen können. Diese natürlichen Pflanzengemeinschaften dienen mir als Vorbild für meine Planungen.
Entscheidend ist dabei nicht allein die Pflanzenauswahl. Auch die Standortbedingungen, die Bodenstruktur, ein mineralischer Mulch und eine aufeinander abgestimmte Pflanzdichte tragen zum Erfolg bei. Mit der Entwicklung der Wurzelsysteme und dem Schließen der Pflanzendecke sinkt der Bewässerungsbedarf deutlich. Ganz ohne Wasser geht es allerdings nicht immer: Auch eingewachsene Pflanzungen können bei anhaltender extremer Trockenheit an ihre Grenzen kommen.
In einer gut abgestimmten Pflanzengemeinschaft begrenzen sich die Pflanzen durch Konkurrenz um Licht, Wasser und Nährstoffe gegenseitig. Die dichte Vegetation schützt den Boden vor Erosion und verringert die Verdunstung an der Bodenoberfläche. Der Pflegeaufwand lässt sich dadurch reduzieren. Bei meinen Präriepflanzungen besteht die Hauptarbeit häufig im Rückschnitt nach dem Winter.
Bis dahin bleiben Samenstände und Stängel stehen. Sie bieten Struktur, Schutz und teilweise Nahrung für Tiere in der kalten Jahreszeit. Und an Farbigkeit und Abwechslung steht eine Präriepflanzung einem herkömmlichen Beet in nichts nach. Schauen Sie in die Galerie der „Tanzenden Sommerwiese“.
Insektenfreundlich
Sicher sind Sie im Sommer schon einmal an einem surrenden Lavendelbusch vorbeigegangen. Ein Fest für Bienen und Hummeln. Leider ist das nicht die Regel.
Die Pflanzenzüchtung orientiert sich stark am Kundengeschmack: große, bunte und möglichst gefüllte Blüten. Gerade Letztere sind für Insekten häufig wertlos. Bei gefüllten Blüten wurden die Staubblätter zu zusätzlichen Blütenblättern umgebildet. Was optisch imposant aussieht, kann ökologisch eine Sackgasse sein: Die Blüte bietet weder zugänglichen Pollen noch ausreichend Nektar.
Auch viele der üblichen Geranien und Petunien sind für eine insektenfreundliche Bepflanzung ungeeignet. Denn eine üppige Blüte ist noch lange kein Beweis für ihren ökologischen Wert.
Nektar liefert Insekten Energie. Pollen dagegen ist für Wildbienen eine unverzichtbare Nahrungsgrundlage, insbesondere für die Versorgung ihrer Brut. Ohne geeigneten Pollen können sie keinen Nachwuchs aufziehen. Eine Pflanze, die schön blüht, aber keinen zugänglichen Pollen bietet, kann diesen entscheidenden Beitrag nicht leisten.
Krokusse dagegen sind mit ihrer frühen Blüte wichtige Nahrungsquellen. Sie versorgen unter anderem Hummelköniginnen, die bereits im Spätwinter und zeitigen Frühjahr nach Nahrung und einem geeigneten Nistplatz suchen.
Insektenfreundlich gärtnern bedeutet deshalb, vom zeitigen Frühjahr bis in den Herbst geeignete Nahrungsquellen anzubieten. Dabei kommt es nicht nur auf die Blütenmenge an, sondern darauf, was die Pflanzen tatsächlich liefern. Mit einer durchdachten Auswahl lässt sich ein Garten gestalten, der über viele Monate blüht und Insekten wirklich unterstützt. Da haben Insekten und wir doch ein gemeinsames Interesse: einen dauerhaft blühenden Garten!


